

Die Materialien
Materie ist die Sprache meiner Kunst.
Risse, Spalten, Brüche – jede Spur birgt eine Erinnerung. Ich verwende selbst hergestellte Materialien und Steine – mal von Überlebenden bearbeitete Steine, mal Steine von meinen Reisen – Pigmente, Blattgold, phosphoreszierende Figuren. Das Material erzählt von Schmerz, aber auch von Heilung, vom Weg ins Licht.
Die Bedeutung der Materialien in meiner Kunst
Seit jenem zerbrechlichen Tag, an dem sich alles veränderte, wandle ich unaufhörlich auf dem schmalen Grat zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke. Und als meine Wände leer waren, als mein Herz zerbrach, suchte ich nach dem Material. Nicht nur zum Malen. Sondern um die Bruchstücke wieder zusammenzusetzen. Um das auszudrücken, was Worte nicht vermochten.
Ich erschaffe aus dem, was mich verletzt und geheilt hat. Aus dem Ei, einem Symbol der Ausgrenzung, die mich zerbrach, verwandelt in eine Textur wiederentdeckter Schönheit, in der Risse Steine und Lichtblitze willkommen heißen. Aus den geschliffenen Steinen, wie Juwelen aus Licht, erzählt jede Facette die Geschichte von Frauen, die nach der Dunkelheit ihr Strahlen wiederfanden. Diese Frauen, die ebenfalls alles verloren hatten, Überlebende von Krieg und Vergewaltigung, Kindersoldaten, wurden von einem außergewöhnlichen Arzt betreut und anschließend von dem Verein, den ich mitgegründet habe, darin geschult, ihren Schmerz zu verarbeiten, bis er das Licht erreicht.
Ich zähle auch die kleinen Steine dazu, die mir anvertraut wurden, so wie meine Mutter mir ihre anvertraut hat – Zeugen von Reisen und verstreuten Seelen.
Und dann sind da die Kinder. Die Straßenkinder des Kongo. Ihre Geschichten flüstern in meinen Farben, deshalb lade ich sie in meine Bilder ein. Lautlos. Durch winzige, phosphoreszierende Gestalten, die wie sie nachts wach sind, weil die Nacht auf der Straße zu gefährlich zum Schlafen ist.
In meiner Arbeit ist jedes Material Teil einer tiefgreifenden Alchemie. Epoxidharz symbolisiert mit seiner Stärke und Transparenz den Wiederaufbau nach dem Sturm. Chamäleonfarbene Pigmente, die sich ständig verändern, erzeugen ein wechselndes Licht und erinnern an die vergängliche Schönheit jedes Augenblicks. Blattgold, dünn und kostbar, symbolisiert Hoffnung und die Verheißung einer besseren Zukunft. Jedes dieser Elemente formt in Harmonie eine Erzählung von Heilung und Freiheit, in der jede Berührung des Materials zu einem neuen Licht in der Dunkelheit wird.
Jedes Gemälde ist ein Zufluchtsort. Eine lebendige Erinnerung. Ein Ort, an dem Materie niemals neutral ist: Sie ist Körper, Wunde, Opfergabe.
Es ist kein Zufall, dass ein Material dich anspricht. Manchmal berührt ein Riss im Kunstwerk einen, den wir unausgesprochen in uns tragen. Wenn dich das anspricht, lade ich dich ein, dich mir anzuschließen.







